Das hast du schon erzählt…

Für Mareike, Philipp, Andreas, Henning und Anita… 🙂

Als Corona kam, feierte man „unsere” Helden der ersten Stunde und an vorderster Front.

in Italien gingen die Leute auf die Balkons und klatschten für die vielen Hilfskräfte in den Krankenhäusern. 

Wir dachten, das ist ‘ne gute Idee und trafen uns das erste Mal am 23. März mit unseren Nachbarn. Wir standen mit gebührendem Abstand auf der Terrasse und im Garten – wir und 2 Nachbars-Paare. Um Punkt 19 Uhr klatschten wir. 

Irgendwo in weiter Ferne hörten wir auch einige Leute klatschen. Prima, die Leute klatschen. Und vielleicht hilft es den Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern, wenn alle fleißig weiter klatschen. Wahrscheinlich ist es aber keine Hilfe. Ganz ehrlich – es  bringt dem Krankenhaus- und Pflegepersonal gar nichts.

Wir fanden trotzdem, dass wir uns weiter treffen sollten. Wenn man schon zu Hause bleiben musste, wären doch unsere Social Contacts großartig, um sich über Corona und alles, was damit zu tun hat, und die wichtigen und unwichtigen Dinge des Lebens auszutauschen – und natürlich auch aus Solidarität zu klatschen.

Der nächste Abend kam, der übernächste und der über-über-nächste. Wir fanden  langsam Gefallen an diesen Treffen. Und bald war an jedem Abend schon klar, dass man sich auch am nächsten Abend wieder treffen wollte. 

Aber schon nach kurzer Zeit klatschte niemand mehr außer uns. Da hörten wir auch damit auf. Die Frage kam auf, ob man sich denn auch ohne Klatschen noch weiter treffen soll? Am ersten Abend ohne Klatschen hatten alle ein schlechtes Gewissen. Aber lange hielt das nicht vor. Der nächste und nächste Abend kam. Irgendwann gab es dann auch mal Glühwein. Schliesslich trafen wir uns draußen auf der Terrasse. Und es war zeitweise wirklich noch „arschkalt“.

Aus Tagen wurden langsam Wochen, und man traf sich immer noch. Es wurden mittlerweile auch mal Kuchen gebacken, die man natürlich an alle Mitstreiter der allabendlichen Runde verteilte. Selbst ich habe mich ans Backen getraut – es hat sogar recht gut geklappt.

Ach ja – ich vergaß zu erwähnen, dass jeden Abend auch ein kleines  Schnäpschen mit dabei war…

Sich jeden Abend in der gleichen Runde zu treffen ist schon cool, und keiner aus der Runde wollte auch nur einen Abend missen. Schließlich waren wir untereinander der einzige Kontakt außerhalb der Wohnung. Wir kamen uns plötzlich näher als wir es je gedacht hätten. Und das trotz des Abstands, den wir immer eingehalten haben. 

Aus Social Distance ist plötzlich Nähe geworden. Und wir alle hoffen so ein bisschen, dass Corona nicht so schnell vorbei gehen möge…

Es sind jetzt 8 Wochen. Jeden Abend von 19 bis 20 Uhr, heißt insgesamt 56 Stunden, haben wir zusammen verbracht. Und immer gibt es Neues zu berichten oder Geschichten zu erzählen. 56 Stunden sind schon ‘ne lange Zeit. Dabei schleichen sich manchmal doch auch irgendwelche Wiederholungen in den Erzählungen ein.

Nach Woche 6 ungefähr hat es dann auch mich erwischt. Ich wiederholte und mein  Nachbar Philipp sagte: „Das hast Du schon erzählt…“ 

Naja dachte ich, kann ja mal passieren, aber schön ist das nicht, wer will sich schon wiederholen (vor allem wenn man in meinem Alter ist…).

Also aufgepasst. 

Nun, es kam der nächste Abend und Philipp wiederholte sich. Also kam bei mir doch etwas Freude auf und ich sagte grinsend: „Das hast Du schon erzählt…“ Das Gelächter war groß, wir hatten alle richtig Spaß. 

Das gegenseitige Gefrotzel unter uns allen ging an den nächsten Abenden lustig weiter. Ich glaube, wenn man sich frotzeln kann, weiß man, dass man sich mag und im Spaß miteinander umgehen kann. 

Jetzt wird es langsam etwas schwieriger sich zu treffen. Die Zeit des Home Office geht zu Ende und unsere Nachbarn müssen wieder in die Büros. Man darf sich nun auch wieder mit anderen treffen und in Restaurants gehen. Also werden unsere schönen Corona-Abende weniger. Wie schade!

Ich glaube wir alle werden sehr traurig sein, wenn diese Regelmäßigkeit wirklich ganz zu Ende ist. 

Corona mag vorbei gehen, aber sehr viel ist geblieben. Die Nachbarn sind zu Freunden geworden. 

Diese Zeit werden wir wohl nie vergessen. Und ich werde sicher nicht aufhören davon zu erzählen. Selbst wenn mir einer sagt: “Das hast Du schon erzählt”… 

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