Hilfe, Kinder! – Oder „die lila Invasion“.

 Donnerstag Morgen, der Tag ist schön, die Laune ist gut.

Da kann man doch mal mit unserer Senioren“gäng“ ´ne Runde Golfspaß haben.

Ich komme auf den Parkplatz und sehe Lila!!!

Viele, unendlich viele, kleine Menschen in lila Poloshirts mit Pinnau Logo drauf.

Ich denke: Mein Gott, sind Heinz und Hans und Lothar und Harald in den Jungbrunnen gefallen?

Aber nein, es sind wahrscheinlich die Ur, oder Ur-Ur-Enkel meiner Spielkameraden.

Es ist Jugendcamp an der Pinnau!

Na toll, was mache ich jetzt? Ein Schwätzchen mit Christoph Lampe oder Michael Ziebold wäre jetzt wenigstens eine Alternative. Also bestelle ich mir ´nen Kaffee und erfahre, dass die Beiden nicht da sind. Danke Jungs, auch Ihr lasst mich in dieser schweren Stunde hier allein.

Allein, ich will allein sein und setze mich mit meinem Kaffee in die vermeintlich ruhigste Ecke der Terrasse.

Ich fühle mich in meinem methusalemischen Alter, umzingelt von dieser lila Armee, völlig fehl am Platz und denke nur: Das ist gemein. Die haben uns für eine Woche den Golfplatz, den Kommunikationsplatz, den Spielplatz geraubt…!

Ich schmolle, habe aber nichts anderes zu tun, als mir das bunte Treiben der Invasoren anzuschauen.
Es herrscht Gelächter, Frohsinn, Schreierei. Hmmm, eigentlich gar nicht so schlecht.

Nein, nein – bloß nicht auch noch Gefallen dran finden.

Ich bin kinderlos.

Ich mag keine Kinder.

Schließlich sind es Nerv tötende, schreiende, kleine Hosenscheißer und Monster, die alles wissen wollen, zu viele Fragen stellen und was weiß ich was noch….

Ganz plötzlich muss ich an meine Kindheit denken. 50er/60er Jahre in Hamburg. Computer gab´s noch nicht. Nur wenige Bombenlöcher in den Häuserreihen waren schon wieder aufgefüllt, und unser „Spielplatz“ war unendlich groß. Wir konnten einfach raus gehen und spielen. Es waren kaum Autos auf der Straße. Verstecken konnte man sich überall. Und Winnetou und Old Shatterhand wurden in den Baustellen oder in Schrebergärten zu Blutsbrüdern. Das war noch was.

Heute finden die Spiele am Computer statt. Tiger Woods auszudriven ist kein Problem, man muss ja einfach nur die Maus schnell genug nach vorne schieben.

Da ist es doch eigentlich toll, wenn die Kids eine Woche „Outdoor“- Sport und Spiel und Spass haben und in dieser Zeit nicht vor dem Daddelkasten sitzen und sich ihren Spielplatz auf Facebook, Twitter oder per SMS suchen müssen.

Zurück aus meinen Gedanken auf die Terrasse!

Ich bin tatsächlich schon länger sitzengeblieben als ich wollte und schaue den Kindern immer noch zu. Es bringt irgendwie doch großen Spaß zu beobachten, wie eifrig die Kleinen dabei sind und ganz spielerisch die Golfschwünge lernen. Ich hätte mal auch mit 5 Jahren mit dem Golfsport anfangen sollen – leider war ich schon 50.

Ich gehe rüber auf die Range und sehe mir die lila Rasselbande noch einmal an. Dieses Mal allerdings mit einem Lächeln auf den Lippen.

Vielleicht sind Kinder ja doch nicht so schlimm.

Und eigentlich hätte ich jetzt auch gern ein lila Shirt an und würde gern mitspielen. Ob ich mal frage…?

Liebe Kinder, Euch sei für eine Woche mein Spielplatz gegönnt. Macht was draus und lernt, draußen zu spielen. Vielleicht sehe ich ja mal den einen oder die andere im Fernsehen, wenn Ihr gegen Martin Kaymer spielt.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.