Meine Nachbarin hat einen Dackel…

…und der muss natürlich jeden Tag mehrmals ausgeführt werden. Dabei kommt meine Nachbarin immer bei uns vorbei. Geht auch nicht anders, da wir an dem Weg wohnen, wo die Beiden einfach vorbeigehen müssen.

Da ich häufig auf der Terrasse an meinen Figuren oder Skulpturen arbeite, hat meine Nachbarin mich gefragt, ob ich auch Kunstkurse gebe. Sie möchte modellieren lernen, um es „ihren“ Kindern beizubringen. Meine Nachbarin ist Lehrerin.

Na klar, sage ich. Was willst du denn machen? Sie sagt: „Einen Dackel“!!!

Dackel? Hmmm, da war doch mal was: „Alles für den Dackel, alles für den Club“ (Hausmeister Krause lässt grüßen…)

Einen Dackel als Figur oder Skulptur. „Oha“ sage ich, „da muss ich mir aber mal Gedanken machen, wie wir das gestalten.“

Ich schaue mir den Dackel doch mal näher an. 

Er bekommt ja bei uns auch immer mal `n Stückchen Käse. Mittlerweile weiß er genau, durch welches Loch in der Hecke er auf unsere Terrasse kommt.

Was ist denn das eigentlich für ein kleines Viech…?

Ich gehe zu meiner Nachbarin und Ihrem Freund, um beim Einbau eines Gerätes zu helfen. Das Gerät wird ausgepackt. Der große Karton ist jetzt leer und steht in der Gegend herum. 

Die Stunde/Minute/Sekunde des Dackels schlägt, auf die er scheinbar schon gewartet hat. Er schießt nach vorn auf den Karton zu, packt ihn mit seinen kleinen scharfen Zähnen und rast damit durch die gesamte Bude. Der Dackel dreht durch…

Er ist auf 180, und es scheint das Wichtigste auf der Welt für ihn zu sein, sich mit diesem Karton auseinanderzusetzen. Der Karton muss zerstört werden, er ist ein Feind, ein Spielkamerad, eine Welt, eine Sache, die kein anderer hat, außer ihm – SEINS.

Innerhalb von Minuten ist der Karton in kleinen Fetzen im ganzen Wohnzimmer verteilt. Der kleine Kerl ist nicht müde und möchte noch weiterspielen. Ich nehme mir ein noch übrig gebliebenes kleines Kartonstückchen und spiele noch ein bisschen Hin- und Herziehen mit ihm. Was für ein Kraftpaket der Typ doch ist.

Nun wird er aber doch irgendwann etwas müde. Es ist ja auch absolut nichts mehr von dem Karton übrig. Durchatmen, die Arbeit ist getan. Da kann man schon mal glücklich und zufrieden auf der Couch Platz nehmen und sein Werk von oben betrachten. 

Ich sage: „Aufräumen…!“ Aber er schaut mich nur mit seinen treuen, rehbraunen, schönen Augen an. Aufräumen scheint er nicht zu verstehen. Naja, dann muss der Hausherr eben die Fetzen wegräumen. Derweil legt der Dackel seinen Kopf auf mein Bein und schaut müde aus der Wäsche. Ich glaube, er will mir sagen: „Jetzt kannst Du mich aber mal für die gute Arbeit belohnen und mich ein bisschen streicheln.“ Das tue ich doch gerne. 

Ich schaue aus dem Fenster, um über meine nächsten Sätze nachzudenken und sehe: 

Hugo! 

Da steht er schon wieder an der Käseeckentür und wedelt mit dem Schwanz. Die Nachbarin bekommt einen Kaffee und Hugo seinen Käse und ein besonderes Stück Holz. 

Das gibt mir Zeit einige Fotos zu machen und mal zu schauen, wie ich den quirligen Kerl als Gipsfigur verewigen und dabei einen Kunstkurs geben kann. 

Ich fange an, die kleine Töle richtig gern zu haben. Ich lerne seine Bewegungen, Muskeln, Pfoten, Verhalten, Proportionen und einen großen Berg Freundlichkeit, Freude, Schwanzwedeln, Ankuscheln, Ablecken und Anfassbarkeit kennen.

Tiere sind Klasse.

Und wenn Du ein netter Mensch bist, baut sich auf den ersten Blick eine „zwischenlebewesen(t)liche“ Beziehung auf… 

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