Melanie, das Mauerblümchen und ich

Melanie ist Hausmeisterin. Sie ist keine gewöhnliche Hausmeisterin, sondern Hausmeisterin in einem Golfclub. 

Habt Ihr schon einmal von einem Golfclub gehört? Ein Golfclub ist wie ein Sportverein. Man kann dort Golf spielen. Golf spielen ist eine tolle Sache, weil man beim Golf Spiel und Sport zusammen machen kann. Viele Leute sagen, dass es gar kein Sport sei sondern einfach nur ein Spiel. Das stimmt aber nicht. Man muss ganz viel gehen und sich dabei sehr konzentrieren. 

Beim Golf braucht man einen Schläger. Man hat ganz viele davon in einer Tasche, die man mitnimmt. Und dann schlägt man mit dem Schläger einen kleinen Ball, der ganz viel Dellen hat, soweit man kann. 

Am Ende muss dann der Ball in ein klitzekleines Loch. Und wenn man mit mehreren zusammenspielt, gewinnt derjenige, der den Ball als erster in dieses klitzekleine Loch gespielt hat. Das bringt sehr viel Spaß.

Es gibt bei dem Sport auch Turniere. Da spielen dann mehrere gegeneinander, und oft gibt es schöne Sachen zu gewinnen. Nach den Turnieren sitzen alle dann zusammen und essen und trinken gemeinsam. Dabei wird ganz viel gelacht, weil beim Golf spielen auch ganz oft lustige Sachen passieren. Und meistens kann man nach dem Spiel ganz prima darüber lachen. 

Manche können das aber nicht, weil sie sich ganz doll ärgern, wenn sie mal schlecht gespielt haben. Dabei ist es gar nicht so schlimm, wenn man mal schlecht spielt, weil es beim Golf spielen noch ganz andere tolle Sachen zu entdecken gibt.

Golf spielt man draußen auf einem großen Platz. Der ganze Platz ist mit Rasen bedeckt, und da wachsen Bäume und Gräser und Blumen. Es laufen Tiere auf dem Platz herum, es gibt Hasen und Kaninchen und Rebhühner und Störche. Auf manchen Plätzen gibt es Teiche mit Fischen darin. Und in Afrika laufen auch Krokodile, Giraffen und sogar Schlangen über die Plätze. Dort muss man dann auch sehr vorsichtig sein.

Aber hier in Hamburg gibt es ja glücklicherweise keine Krokodile.

Nun will ich aber ja von Melanie und dem Mauerblümchen und mir erzählen.

Also die Melanie ist ja Hausmeisterin und das ist ein toller Beruf. Zu ihren Aufgaben gehören ganz viele Sachen. Sie muss dafür sorgen, dass alles schön aussieht und alles gut funktioniert. Der Golfclub hat ein großes Haus, einen großen Garten und eine große Terrasse. Alles muss gepflegt werden. Und das ist eine Menge Arbeit für Melanie. Jeden Tag arbeitet sie an einer anderen Stelle im Golfclub, und alle Spieler und Besucher freuen sich, wenn dann alles toll aussieht. Melanie und auch ihre Kollegen machen ihre Arbeit sehr gut, und der Golfplatz und alles drumherum sieht schön aus.

Eine der Aufgaben von Melanie ist auch, die Terrasse sauber zu halten und zu pflegen. Es sollte kein Unkraut in den Ritzen des Bodens sein, und alle Pflanzenkübel müssen schön aussehen. Mit ganz viel Liebe richtet Melanie gerade jetzt im Frühling die ganzen Beete und Pflanzen und den ganzen Garten her, damit er ganz prächtig wird und alle sich daran erfreuen. Neue Blumen werden gepflanzt und die alten werden beschnitten oder entfernt, wenn sie nicht mehr wachsen wollen oder können.

Aber manchmal wächst doch noch etwas irgendwo, wo man dachte, dass da gar nichts mehr wächst…

Ich bin Claus und ich spiele Golf, weil es mir ganz viel Spaß macht. Golf ist eines meiner Hobbys. Und ich bin eben auch gern auf dem Golfplatz, weil ich den Club schön finde, weil ich gern im Grünen bin, weil ich gern die Tiere auf dem Platz sehe und weil ich auch gern auf der Terrasse sitze und alles genieße. Und ich freue mich natürlich auch über die Arbeit von Melanie, die ja mit ganz viel Freude alles herrichtet. 

Ich habe ganz viele Hobbys und bin immer sehr beschäftigt, auch wenn ich schon etwas älter bin und nicht mehr arbeiten muss. Eines meiner vielen Hobbys ist das Fotografieren, und immer wenn ich besondere Sachen sehe, versuche ich mit meinem Handy oder  Fotoapparat diese Sachen festzuhalten. Nun schreibe ich auch gern. Heute kann ich mal das Schreiben mit dem Fotografieren verbinden. 

Vor ein paar Tagen war ich nämlich auf dem Golfplatz. Es war einer der ersten schönen Tage des Jahres. Es ist noch ziemlich kalt draußen, obwohl doch schon der Frühling da sein sollte. Die Störche sind schon aus Afrika zurück, und die Krokusse fangen an zu blühen. So kalt wie es noch ist, kann eigentlich sonst noch gar nichts blühen. Die Pflanzen verstecken sich noch. Es ist eben zu kalt für diese Jahreszeit. 

Aber es scheint vielleicht doch nicht zu kalt für alle Pflanzen zu sein. 

Ich habe meine Runde gespielt und gehe an unserer Clubterrasse vorbei.  Halt, denke ich, da ist doch etwas Komisches. 

Ich gehe noch einmal zurück und sehe eine kleine lila Blüte. Da streckt doch ein kleines „Mauerblümchen“ den Kopf heraus. Und das an einer Stelle, an der es gar nicht sein dürfte, weil doch eigentlich Melanie aufpassen sollte, dass dort nichts wächst. 

Tut es aber doch. Tatsächlich wächst in einer kleinen Ritze zwischen den Steinen diese kleine lila Blüte. 

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Das Mauerblümchen, wie ich es nenne, ist ein Ministiefmütterchen. Es wächst viel zu früh an einer total falschen Stelle, weil ja Melanie da ist und sie die Aufgabe hat, die Terrasse frei zu halten von Unkraut. 

Ich denke, das muss ich jetzt mal festhalten und fotografieren. Gesagt, getan. Foto ist gemacht. Und ich freue mich über dieses kleine Mauerblümchen an diesem viel zu kalten Tag. Danke Melanie, dass Du es übersehen hast, es ist ja auch kein Unkraut, sondern eben mein kleines Mauerblümchen. Und dieses Mauerblümchen verdient es, zu leben und nicht als Unkraut herausgerissen zu werden und auf dem Komposthaufen zu enden.

Ich tue, was ich manchmal mit Fotos tue. Ich teile es mit anderen. Und ich schreibe dazu: „Das kleine Mauerblümchen setzt sich durch…!“

Eigentlich wollte ich nur dieses Foto machen und sagen, wie ich mich über die Natur, den Golfclub und eben über dieses kleine Mauerblümchen freue. Ich möchte auch, dass es weiterlebt und schön und groß wird. 

Ich habe ja gar nicht geahnt, dass mein kleines Mauerblümchen doch noch anderes auslösen kann.

Plötzlich mochten einige Leute mein Foto und haben sich auch über das kleine Mauerblümchen gefreut. Nun hat der Golfclub ein kleines Mauerblümchen, und das wird jetzt ganz bestimmt berühmt. Jetzt gibt es ein Foto und eine Geschichte darüber. 

Aber, oh Schreck, jetzt habe ich ja auch Melanie darauf hingewiesen, und es ist doch ihre Aufgabe die Terrasse und die Ritzen der Steine frei von allem Unkraut zu halten. Was passiert denn jetzt mit meinem kleinen Mauerblümchen? Ganz sicher reißt sie es heraus und wirft es auf den Komposthaufen. Da verdorrt es zusammen mit dem anderen Unkraut, obwohl mein Mauerblümchen doch gar kein Unkraut ist. Was mache ich denn jetzt bloß? Ich will mich doch daran erfreuen und es darf nicht sterben. Mein kleines berühmtes Mauerblümchen, ich kann es nicht mehr retten. Wahrscheinlich hat Melanie es schon getan…

Mir gehts gar nicht gut bei dem Gedanken. Das darf doch nicht wahr sein…!

Ich war den ganzen Tag unterwegs und habe mich nicht mehr um mein Mauerblümchen kümmern können. Schade.

Später schaue ich nochmal in meinen Computer und staune. Ein paar Leute haben mir geschrieben, finden mein Mauerblümchen ganz schön und wollen natürlich auch, dass es weiterlebt. Wie kann ich es also retten?

Ich gucke noch einmal in den Computer. Nun staune ich schon sehr und meine Freude ist riesig. Melanie hat nämlich auch geschrieben. Und weil sie wohl mein Foto mochte und eine ganz nette Frau ist, hat sie sich meines Mauerblümchens angenommen. Sie will auch, dass es weiterlebt und wird es retten. Einen Extratopf bekommt es mit frischer Erde darin. Und dann kann mein kleines Mauerblümchen weiterleben und gedeihen und die Leute erfreuen, die vorbeigehen. Und vielleicht bleibt manchmal einer stehen und sagt: Guck mal, dieses kleine Mauerblümchen ist aber schön und es hat einen Extratopf. Es muss wohl berühmt sein.

 Danke liebe Melanie, dass Du mein kleines Mauerblümchen gerettet hast. 

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