Ich war Caddy,

Vor einigen Wochen saß ich mit Frank Schulz beim Bierchen nach der Runde auf der Pinnauer Terrasse und er sagte mir, daß er für unsere Mannschaft bei den hamburger Meisterschaften als Caddy mitgeht. 

Das mach´ ich auch dachte ich mir und gesagt, getan rief ich Christoph Schiemann an und fragte ihn, ob noch Bedarf wäre? Und ganz schnell antwortete er, dass sich die Jungs über jeden Caddy freuen und ich gern mit dabei sein kann. 

Am Freitag Abend vor dem Meisterschaftsturnier erfuhr ich dann, daß ich bei Martin Kröner eingeteilt bin. 

Prima, am Samstag morgen machte ich mich dann bei strömendem Regen auf den Weg nach Holm und dachte: Was hab ich mir bloß angetan? Bei Wind und Wetter ´nen Trolley durch die Gegend schieben und die Schläger putzen. Na toll…

Dann kam ich in Holm an, sah den ganzen Haufen Jungs auf der Range mit Ihren Trainern üben und war sofort gefangen von der Atmosphäre.

Man oh man haben die Schwünge drauf und sieht das gut aus wie die sich bewegen und drehen können.

Und da denkt unser eins mit diesen halbgehackten eingedrehten Ballnagelschlägen mit Handicap 16 man kann ganz gut spielen, pahhh…

Leider haben Martin und ich vor dem Spiel gar nicht miteinander reden können und ich hatte keinen blassen Schimmer, was ich tun sollte, wie ich mich verhalten sollte, was von mir erwartet wird? Kurzum ich stand ziemlich doof da und fühlte mich wie so´n Depp (und das in meinem Alter).

Allerdings war ja Frank mit im Flight, der Leif Abrahams Caddy war. Und Martin, Leif und Frank nahmen mir schnell das Gefühl außen vor zu sein und ich wurde direkt mit in die Mannschaft integriert.

Los ging es und das erste Loch wurde in Angriff genommen. Und ab dann bekam ich mit, was gutes Spiel, gutes Zusammenspiel und Taktik beim Golf bedeuten.

Die Jungs sprechen sich ab wo der Ball landen soll und oh Wunder, der Ball landet auch genau da. (Mir kann man einen hundert Quadratmeter großen Fleck zeigen und der Ball landet vielleicht da, oder auch nicht…).

Natürlich gelingt auch den Cracks nicht jeder Schlag, aber es bringt unglaublich viel Spaß, zu sehen wie oft denen das gelingt und wie präzise die Bälle plaziert werden.

Wir 4 waren recht bald ein eingespieltes Team und ich hab ziemlich schnell mitbekommen was ich tun muss und habe plötzlich gern die Schläger geputzt, war nicht mehr außen vor und fühlte mich nicht mehr wie der Depp, sondern als vollwertiges Mitglied eines tollen Teams.

Wir hatten zwischen den Konzentrationsfasen richtig viel Spass. 

Zwischen den Schlägen sind auch manche der Spieler ziemlich locker und genießen es wohl auch wenn mal ein Späßchen gemacht wird. Das lockert die Anspannung etwas auf. Und so haben wir schön abgelacht.

Ich habe das golfen immer nur als „Kampf“ gegen mich und mein Handicap gesehen. Aber bei diesem Spiel war es plötzlich anders. Es gab Gegner und mit denen verbrüdert man sich nicht. Die Flights sind getrennt und man geht nicht miteinander, sondern mit weitem Abstand. Das ist ein echter Kampf. Mann gegen Mann, Mann gegen Frau, oder Frau gegen Frau. Egal, Kampf…!

Aber dieser Kampf hat auch mal Pausen und hört irgendwann auf.

Unsere Pausen waren gefüllt mit guter Laune, aufbauenden Worten, gutem Essen und gefühlter Teamatmosphäre.

Und dem Tiefschlaf am Tisch von Felix Hobler, der sich leider verletzt hatte und nicht mitspielen konnte, aber wahrscheinlich vom bangen und hoffen um den Klassenerhalt ziemlich fertig war.

Die Jungs, die nicht mitspielen konnten waren natürlich auch mit dabei und haben entweder als Caddy, oder Vorcaddy mitgewirkt. 

Und dann unterwegs, auf wer weiss welcher Bahn stand da plötzlich Mirko Läpple. Ein für mich unglaublich bewegendes Erlebnis. Mirko hat´s ja richtig gebeutelt, er hat eine schwere OP hinter sich und kann sich kaum bewegen. Und dieser Mann steht mit einem Gehwagen am Fairwayrand um bei seinen Jungs zu sein. Man oh man, Hut ab…! Da war ich echt berührt und begeistert von soviel Teamgeist.

Zwei Tage war ich Caddy.

War nassgeregnet.

War danach physisch (vom schieben des Trolleys) und psychisch (vom mitfiebern) völlig fertig.

Ich habe heute noch Rückenschmerzen.

Bin am Tag danach kaum aus dem Bett gekommen.

Habe mir zum Frühstück ´ne Schmerzpille reingepfiffen.

Jungs sagt mir wann ich das wieder machen darf, ich bin sofort wieder dabei….!

PS: Ach ja, und niemand soll mir mehr sagen: 

       „das war aber ein schöner Schlag.“

       Für mich heisst das nur noch:

       „das war ein guter Schwung.“ 

       Und an dem guten Schwung werde ich jetzt arbeiten. 

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