Corporate Identity, oder die Farben der Familie.

Wir waren etwas, wir waren eine große „Familie“, wir waren drei große Farben, wir waren Hanseaten, wir waren Lufthanseaten. 

Die Königsklasse der Fliegerei war mit dem Namen Lufthansa verbunden. Wer dabei war, ein Lufthanseat war, war interessant, war ein Exot, war überall gut angesehen –   und war stolz. 

Stolz, in dieser Familie mitfliegen zu dürfen, stolz ein Mitglied dieser Gemeinschaft zu sein, stolz dazu zu gehören.

Niemals hatte es die Lufthansa nötig, Stellenangebote auszuschreiben, weil sich jeder auf irgendeinen Beruf bei der Lufthansa bewerben wollte. Es war fast egal was es war, Hauptsache Lufthansa. 

Dabei sein, Lufthanseat sein. Ohne, dass jemand etwas von Corporate Identity sagen musste, hat man genau das gelebt. 

Und wenn überhaupt Mitarbeiter einer Firma jemals Corporate Identity gelebt haben, dann die Lufthanseaten. 

Ich kann mich an ein T-Shirt mit einem unglaublichen Aufdruck erinnern, welches in einem Satz das Lufthansa-Feeling ausdrückt:

„merry me, fly ten percent“ 

Wie cool. Das hatte etwas. Für zehn Prozent mit Lufthansa fliegen zu dürfen war auch für Lebenspartner eine absolute Attraktion und sicherlich für so manche ein Argument, bei der Partnerwahl ein Auge zuzudrücken…

Stolz und weltmännisch vertrat man also etwas Großartiges und ließ sich von der Familie Lufthansa gern vereinnahmen. 

Auf den Flughäfen der Welt hat man den Kranich in dem gelben Kornfeld mit dem blauen Himmel gesehen und immer wieder gedacht: „Klasse, ich bin dabei.“

Es war toll.

Aber was ist denn eigentlich passiert mit dem stolzen Gefühl „Familie Lufthansa“ während der letzten Jahre? 

Was ist von alldem geblieben?

Die ehemaligen Kollegen, die ich treffe, haben dieses Gefühl nicht mehr. 

Es gibt externe Stellenausschreibungen. Plötzlich will nicht mehr jeder bei der Lufthansa arbeiten. Was ist da passiert? Ich weiß es nicht, aber es ist sehr schade.

Wenn ich als Lufthansa-Pensionär einen Lufthansa-Flieger gesehen habe, ist es immer wieder aufgeblitzt, dieses Gefühl des Besonderen und das Gefühl: „Schön, dass ich dabei war.“ Und ich erinnere mich gern an den Zusammenhalt, den Spaß und ein tolles Arbeitsleben mit allen Höhen und Tiefen und einer interessanten Karriere.

Gestern bin ich am Flughafen vorbei gefahren, sah einen Lufthansa-Flieger starten und mit einem Blick war alles vorbei. Das Gefühl war zerstört.

Der Kranich steht nicht mehr im Kornfeld. Er ist degradiert in einem weißen Kreis. Es lebt nichts mehr in diesem Blau. Er hat keinen Wiedererkennungswert mehr. Er geht unter in der Masse der Airlines. Er ist kein Exot mehr, nichts Außergewöhnliches, nichts Besonderes.

Es gibt kein Corporate Identity mehr. Und es mag ihm jetzt so gehen, wie meinen ehemaligen Kollegen. Das Besondere hat sein Ende gefunden, und nicht zuletzt wegen der Farben der Familie.

Nun werde ich wohl nicht mehr hinschauen, wenn ein Flieger startet. 

Aber es steht ja noch die alte 707 am Hamburger Airport. Und da blitzt es doch nochmal auf, das unglaubliche Gefühl, dabei gewesen zu sein. 

Ich hoffe, diese 707 bleibt unlackiert, damit wenigstens dort noch eine Zeitlang der Kranich in seinem Kornfeld stehen darf.

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